Brusttuch

Brusttuch
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Fünf Jahre nach dem Bau des vielleicht schönsten Patrizierhauses in Goslar, im Jahr 1526, wurde das Fachwerkspeichergeschoss mit umfangreichen Schnitzereien verziert.
Damit wurde das damalige akademische Wissen der Renaissance, angelehnt an die Antike, demonstriert.

Dort stehen zwischen den Fenstern die antiken Götterfiguren, die in jener Zeit eine vielfältige Bedeutung hatten.

Sie verkörpern die wichtigsten Metalle anstelle der noch nicht erfundenen chemischen Kürzel, sie bestimmen zusammen mit den Tierkreiszeichen den gestirnten Himmel und damit zugleich im Sinne der Astrologie die Eigenschaften der Menschen, die in dem jeweiligen Zeichen geboren sind.

Diese Gelehrtenwelt ist durch allerlei Fabelwesen und nicht immer entschlüsselbare Szenen miteinander verknüpft.
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Die Herstellung von Butter war früher eine sehr anstrengende Tätigkeit, die nicht immer von Erfolg gekrönt war.
Für das abergläubische Volk lag daher nahe diese Tätigkeit mit magischen Kräften oder dem Einfluss von Hexen oder Teufeln in Verbindung zu bringen.
Butterhexen setzten demnach Zaubersprüche oder vom Teufel erhaltene Hilfsmittel ein, um das Werk erfolgreich zu beenden.

Die so geschaffene Butter war aber minderwertig und verwandelte sich nach der Berührung mit einem Kreuz in Dung oder Abfall.

Die Goslarer Butterhanne stellt eine idealisierte Gestalt dar, die sich nicht auf einen derart zweifelhaften Handel einlässt. Sie buttert erfolgreich allein und ohne die Hilfe dunkler Kräfte. Am Brusttuch ist sie bei ihrer Arbeit zu sehen. Um Unheil von ihrer Butter abzuwenden, zeigt sie dem Teufel auf der benachbarten Knagge (Konsole) ihr nacktes Hinterteil.